GeschichteundUrsprünge

Die Länder, aus denen das moderne Territorium der Ukraine besteht, beherbergen Tausende von Geheimnissen und Geschichten der Hunderter Völker, Staaten und Kulturen. Im Laufe der Jahrhunderte geschahen hier heldenhafte und dramatische Ereignisse – die Bildung und Zerstörung von Zivilisationen, die Vermischung und Auseinandersetzungen von Nationen, Kriege, Revolutionen, kultureller Niedergang und Aufschwung.

Historiker wählen seit langem Metaphern, um diese Region zu beschreiben. Sie wurde „das Tor Europas“ genannt, weil viele Menschen, Kulturen und Religionen über ukrainische Länder nach Europa gekommen sind. Sie wurde auch als „Wiege vieler Völker und Kulturen“ angesehen, weil Ukrainer, Polen, Juden, Tataren, Belarusen, Roma, Russen, Bulgaren, Griechen, Armenier, Deutsche und Rumänen jahrhundertelang nebeneinander hier lebten und arbeiteten.

Wir erfahren von Herodot, dass die Skythen, die alten Nomadenvölker, einige Jahrhunderte vor Christus hier lebten. Sie handelten mit Griechen und kämpften mit Persern. Landsleute des griechischen Vaters der Geschichte liebten auch die Schwarzmeerküste der Ukraine. Als die Brillanz der alten Zivilisation verblasste, kamen die Slawen. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass ihre angestammte Heimat das ukrainische Land war.

Unter dem Einfluss des Christentums fingen die slawischen Vorfahren der Ukrainer an, ihren Platz im Europa des Mittelalters zu suchen. Ein mächtiger mittelalterlicher Staat namens “Land von Rus” oder einfach “Rus” wurde geboren und entwickelte sich zu ukrainischen Ländern, die um die Wende des 11. Jahrhunderts ihr goldenes Zeitalter erlebten. Laut Wissenschaftlern lebten in der Hauptstadt Kyiv (die Hauptstadt der modernen Ukraine) etwa 100.000 Menschen, was die damalige Gesamtbevölkerung von London und Paris überstieg. Später, im 13. Jahrhundert, waren die Fürsten von Rus die ersten in Europa, die sich der mongolischen Invasion stellten. Das untergrub das staatsbildende Potenzial des örtlichen Adels.

Die ukrainischen Länder fielen unter die Herrschaft der Nachbarstaaten Litauen und Polen. SIe verschmolzen zu einer der größten und mächtigsten Monarchien in Europa, Königliche Republik der Polnischen Krone und des Großfürstentums Litauen. Dieser Staat bestand vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und umfasste die Gebiete des modernen Polens, der Ukraine, Belarus, Litauens, Lettlands und Westrusslands.

Gleichzeitig erreichte das ukrainische Phänomen des freien Rittertums seinen Höhepunkt, und Kosaken („freie Männer“ aus Turksprachen) traten in der europäischen Arena auf. Eine Weile gelang es ihnen sogar, einen eigenen Staat namens Hetmanat (Saporoger Sitsch) zu schaffen. Kosakenabteilungen nahmen an fast allen großen Kriegen in der Region teil, entweder als unabhängige Streitmacht oder als Söldner. Sie hatten ihre eigenen einzigartigen Bräuche, eine Selbstverwaltung und eine ursprüngliche militärische Tradition.

Die Aufführung der ukrainischen Kosaken für TouristInnen auf der Insel Chortyzja, Saporoger Sitsch
Foto: Natalya Bozadzhy, Shutterstock

In der Zwischenzeit bildeten Krimtataren auf ihrem heimischen Boden ihren eigenen Staat – das Khanat der Krim. Die Geschichte vereinte zwar Krimtataren mit Kosaken in einer Koalition, brachte sie aber mit blutigen Kämpfen auch in Kollision. Das Khanat der Krim hörte ungefähr zur gleichen Zeit auf zu existieren, als Polen-Litauen geteilt wurde und Hetmanat schließlich seine Autonomie verlor. Das kaiserliche Russland trug zu all diesen tragischen Ereignissen bei.

Khan-Palast in Bachtschyssaraj, Krim – ein Denkmal des 16. Jahrhunderts
Foto: Reanas, Depositphotos

Vom Ende des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren ukrainische Länder Teil zweier Reiche – österreichisches (später österreichisch-ungarisches) und russisches. Zu dieser Zeit nahmen die Ukrainer an den Napoleonischen Kriegen teil, kämpften für politische und bürgerliche Rechte, bauten mächtige Unternehmen und Eisenbahnen auf, eröffneten Gymnasien und Krankenhäuser, trugen zu Wissenschaft und Technologie bei und entwickelten Sprache und Kultur nach dem Vorbild anderer europäischer Nationen, die keine eigenen Staaten hatten und Teil von Imperien waren.

Das 20. Jahrhundert begann für die Ukraine stürmisch – Millionen von Menschen wurden in das Chaos des Ersten Weltkriegs geworfen.

Als die Ukraine Zeuge des Untergangs der uralten Reiche wurde, unternahm sie zwischen 1917 und 1921 den Versuch, einen eigenen Nationalstaat aufzubauen. Zusammen mit den Polen gelang es den Ukrainern, Europa vor dem Kommunismus zu schützen und die russischen bolschewistischen Truppen in der Nähe von Warschau zu besiegen.

Polen widerstand, während die Ukraine von ihren Nachbarn zurückerobert wurde. Bis 1991 lebten die Ukrainer unter der Macht des totalitären Regimes als Bestandteil der kommunistischen UdSSR. Es war eine schwierige Zeit mit schrecklichen Tragödien und Herausforderungen – erzwungene Kollektivierung, Völkermord-Holodomor, der Große Terror, Holocaust, Deportationen, Gulag, Strafpsychiatrie, sowjetische Militärinterventionen, die Nuklearkatastrophe von Tschornobyl und andere, bei der Millionen Ukrainer, die viele verschiedene Nationalitäten vertraten, ums Leben kamen.

Trotz schwieriger Bedingungen gründeten und bauten die Ukrainer Städte und Dörfer um, erstellten Raumflugkörper und Kraftwerke, entwickelten medizinische Technologien und erfanden neue Schweißmethoden. Einige in der Ukraine entwickelten Computer gehörten zu den ersten, die die Welt jemals gesehen hat, und nicht zu vergessen ist der bedeutende Beitrag zur Weltkultur und Kunst (Avantgarde, Konstruktivismus, Futurismus, experimentelles Kino und Musik).

Die Ukraine war nicht einmal, sondern zweimal im Herzen des Zweiten Weltkriegs – zuerst in der Zeit von Hitlers Offensive und Besetzung und dann während der blutigen Vertreibung durch die Nazis. Insgesamt 8 Millionen Ukrainer starben zwischen 1939 und 1945, die meisten von ihnen waren Zivilisten. 1,5 Millionen Juden aus der Ukraine wurden Opfer des Holocaust. Die historische Wahrheit über alle Opfer des Zweiten Weltkriegs wurde in der Sowjetunion lange Zeit zensiert und begann erst Ende der 1980er Jahre, kurz vor dem Zusammenbruch der UdSSR, publik zu werden. 3 Millionen Soldaten kamen bei den Kämpfen gegen die Nazis und in Gefangenschaft ums Leben. Viele wurden vermisst, starben während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren in Krankenhäusern. Die Ukrainer kämpften gegen Hitler und seine Verbündeten in den Armeen Polens und der UdSSR, Kanadas und Frankreichs, der Vereinigten Staaten und der Tschechoslowakei, auf Kriegsschauplätzen in Europa, Afrika und Asien, im Pazifik und im Atlantik.

Nach dem Krieg und bis zur Unabhängigkeit der Ukraine trugen viele ukrainische FreiheitskämpferInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen und DissidentInnen dazu bei, das totalitäre kommunistische Regime zu stürzen, was schließlich gelang.

1991 erklärte die Ukraine die Unabhängigkeit, um einen freien, demokratischen und souveränen Staat innerhalb international anerkannter Grenzen aufzubauen.

Unabhängigkeitsdenkmal der Ukraine in Kyiv
Foto: MaxxjaNe, Shutterstock

Seitdem stießen alle Versuche, den Autoritarismus wiederherzustellen, auf starken Widerstand der Menschen. Die Orange Revolution (2004-2005) und die Revolution der Würde (2013-2014) haben bewiesen, dass Freiheit die ultimative Wahl und die Willenskundgebung der Ukraine ist.

2019 wurde die europäische und euroatlantische Integration als Vision der nationalen Entwicklung in die Verfassung der Ukraine aufgenommen.

Seit 1991 hatten mehr als 40 Millionen Menschen verschiedener Nationalitäten und Religionen Frieden in der Ukraine genossen, bis Russland 2014 die Krim illegal besetzte und seine Truppen über die Grenze in den Donbas in der Ostukraine schickte.

Russland führt auch heute noch Aggressionen und hybride Kriege gegen die Ukraine und das ukrainische Volk durch, bei denen bereits über 14.000 Menschen getötet und mehr als 27.000 verletzt wurden.

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